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Neue Frisur
Pünktlich zum Wochenende haben wir den Reben eine neue Frisur verpasst. Die Triebspitzen sind nun abgeschnitten und die Energie der Rebstöcke fließt jetzt primär in die Beeren. Diese haben sich inzwischen auch schon deutlich vergrößert, teilweise ist das Stadium der sog. Erbsengröße bereits erreicht.
Erfreulicherweise wurden während der Blüte witterungsbedingt nicht alle Beeren befruchtet, sodass jetzt überwiegend Trauben mit lockerer Struktur vorzufinden sind. Hinsichtlich der Widerstandskraft gegenüber Fäulnis ist das sehr begrüßenswert.
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Pokern bis zum Gipfeln
Wenn man sich als Winzer derzeit etwas wünschen dürfte, dann wäre es noch etwas Regen. In den vergangenen Tagen waren am Himmel über Ernst zwar einige Male Regenwolken zu sehen, es fielen aber nur ein paar Tropfen.
In unserem neu angelegten Riesling-Weinberg haben wir derweil die Triebe erstmalig an den Pflanzstäben festgebunden. Dabei wird in guter alter Tradition und der Natur zu Liebe mit Naturbast gearbeitet.
In den älteren Weibergen sind inzwischen die meisten Triebe weit über den obersten Draht des Spaliers gewachsen und akurat eingeheftet. Man könnte jetzt einfach die Triebspitzen abschneiden (sog. Gipfeln), bevor sie vom Wind abbrechen und dann einfach drei Wochen nichtstuend abwarten. Das wäre aber zu einfach! Stattdessen pokern wir lieber im Sinne der späteren Traubenqualität. Sind die Triebe penibel im Drahtrahmen eingeheftet, dann kann man das Gipfeln durchaus zwei Wochen hinauszögern.
Und wozu das Pokerspiel? Ganz einfach: Die Bedingungen für eine zügige Beerenentwicklung sind derzeit nahezu ideal. Die Entwicklung lässt sich beinahe mit bloßem Auge beobachten. Wir wollen aber die Verdickung der Beeren verzögern. Solange die Triebspitzen vorhanden sind, verwenden die Reben die meiste Energie für das Triebwachstum. Sobald die Spitzen entfernt werden, fließt die Energie primär in die Trauben. Um möglichst kleine und geschmacksintensive Beeren zu erhalten, schneiden wir die Triebspitzen erst möglichst spät ab.
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Blatt für Blatt
In der kommenden Woche wird der Sommer durchstarten. Die jungen Beeren sind inzwischen verblüht und weitere Regenmengen brachten den Reben in den vergangenen Tagen etwas Entspannung. Ganz anders beim Winzer. Die Zeit um die Blüte ist zusammen mit der Ernte die arbeitsintensivste im Jahresverlauf.
Aktuell entfernen wir an jedem Rebstock per Hand zahlreiche Blätter im Bereich der Trauben. Für ein optimales Ergebnis bleibt nur ein kleines Zeitfenster von gut einer Woche. Warum so ein Stress? Ganz einfach: Unser Ziel sind immer möglichst kleine, gesunde und geschmacksintensive Beeren.
Eine frühe Entblätterung stellt das wirksamste und vor allem natürlichste Mittel der Fäulnisvermeidung dar. Die grünen Blätter sind die Energielieferanten für die jungen Beeren. Durch das Entfernen der Blätter stehen den Beeren für einige Tage weniger Nährstoffe zur Verfügung. Sie bleiben daher nach dieser Maßnahme kleiner, sind zunächst intensiver der Sonne ausgesetzt und dadurch widerstandsfähiger. Bis zur Ernte wachsen wieder einige junge Blätter nach, sodass die Trauben im Spätsommer und Herbst optimal belüftet im Halbschatten reifen können.
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Langanhaltende Blütenpracht
Nach ein paar kühlen Tagen stehen die Reben derzeit in voller Blüte. In diesem Jahr witterungsbedingt etwas länger als in den letzten Jahren. Eines ist aber gleich: Die Blüte ist ein Phänomen, das die Weinberge mit einem ganz besonderen, süßlichen Duft erfüllt.
In der Blütezeit benötigen die Reben viel Energie und Pflege. Die derzeitigen Temperaturen und die Niederschläge begünstigen das Wachstum positiv. Daher sind wir derzeit täglich in den Weinbergen unterwegs. Denn es gilt, Laubarbeiten, Pflanzenschutz und Bodenbearbeitung exakt und termingerecht durchzuführen. Was man zum jetzigen Zeitpunkt versäumt, ist im weiteren Jahresverlauf nicht mehr aufzuholen.
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Kühle Erfrischung
Obwohl in den letzten beiden Tagen mit 18 Litern etwas weniger Niederschlag als erhofft gefallen ist, sieht man den Reben die kühle Erfrischung bereits heute an. Sattes Grün, wohin das Auge reicht.
Was die Arbeiten des Winzers angeht, gibt die Natur das Tempo vor. Im Wochenrhythmus werden in jedem Weinberg die Triebe in den Drahtrahmen eingeheftet, wobei einige es schon bis über den obersten Draht geschafft haben.